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9. Parzifal 2.0

Schule : Gymnasium Penzberg
Leitung
: Rupprecht Losert
Autor : Wolfram von Eschenbach
Schauspieler : 22 aus Jahrgangsstufe 7 bis 13

Als wir vor einem Jahr über ein neues Stück diskutierten, stand ein mittelalterlicher Text nicht unbedingt im Vordergrund: zu veraltet, zu religiös, zu unverständlich. Die Annäherung an die Thematik einer Entwicklungsgeschichte zeigte uns jedoch, dass das Muster auch heute genauso aktuell ist wie im Mittelalter.

So ist unser Parzival kein Neuentwurf. Die Präsentation der ursprünglichen Geschichte – basierend ausschließlich auf dem Original – steht im Vordergrund, gleichsam als Editor, mit dem Inhalte für das Netz produziert werden.

Als Bezug zu heute gestalten und kommunizieren jedoch Assistenten – ursprünglich der Erzähler Wolfram – das Bühnengeschehen. Es entsteht im Hintergrund ein Netzwerk von Usern, die bestimmte Aspekte der Geschichte auf die „Plattform“ stellen,  um die virtuelle Simulation einer idealen Erziehung und Bildung zu verfolgen. Der Editor ist hier zugleich Browser, Parzival wird zum Parzival 2.0.

Wie im Web 1.0 alle Elemente des heutigen Web 2.0 schon enthalten sind, so ist bei Wolframs Entwicklungsgeschichte ebenfalls die Grundstruktur eines heutigen Bildungsmodells angelegt: eine konfliktfreie Erziehung soll eine harmonische und sinnvolle Entwicklung des Menschen ermöglichen. Dennoch kann Parzival weder seine Veranlagung  verleugnen noch sich den  gesellschaftlichen Einflüssen entziehen, so dass er vielfach schuldig wird. In der Analyse seiner Situation wird er auf die natürlichen Grundlagen seines Wesen zurückgeworfen und will vor ihnen fliehen.

Doch wohin? Parzival 2.0 kann nicht in einer mittelalterlichen religiösen Illusion sein Heil suchen und finden. Er lebt ja in der durch das Web 2.0 bestimmten Moderne. Also doch zu veraltet, zu religiös, zu unverständlich?





Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn